100% Zufrieden oder Geld zurück

Kostenloser Versand ab 30 €

Natürlich aus dem Rheinland

Ihr Warenkorb

Dein Warenkorb ist derzeit leer.

Die neue US-Ernährungspyramide 2025: Warum der Aufschrei berechtigt ist – und trotzdem am Kern vorbeigeht

Die neue US-Ernährungspyramide 2025: Warum der Aufschrei berechtigt ist – und trotzdem am Kern vorbeigeht

Jahrzehnte lang hat sich die Lebensmittelpyramide nicht geändert. Doch jetzt: Sie wurde auf den Kopf gestellt. Veganer sind aufgeregt und traurig. Carnivore-Anhänger und die „Roh Gang" feiern. Wir sagen: Die wichtigste Message geht leider komplett verloren…

Letzte Woche hat es uns alle erwischt. Kaum wurde die überarbeitete US-Ernährungspyramide veröffentlicht, waren die sozialen Medien voll. Aufgebrachte Nachrichten, emotionale Kommentare, heftige Diskussionen und Podcasts. Die Ernährungswelt steht Kopf.

Und das ist nicht verwunderlich. Denn was die USA da präsentiert haben, ist keine kleine Anpassung. Es ist eine komplette Umkehrung dessen, was uns jahrzehntelang erzählt wurde.

Was hat sich eigentlich geändert?

Lass uns kurz festhalten, worüber wir hier sprechen: Tierische Proteine – Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte – standen jahrzehntelang ganz oben an der Spitze der Pyramide. Die Botschaft war klar: "Nur in Maßen und Ausnahmen konsumieren." Ansonsten sollte der Großteil der Nahrung durch pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Obst und Gemüse abgedeckt werden. „Iss bloß deine Ballaststoffe und deinen Brokkoli"

Nun? Komplette Umkehrung. Tierische Proteine bilden die Basis, pflanzliche Lebensmittel wurden nach oben verschoben. Wie passt das zusammen?

Das ist nicht irgendeine Kleinigkeit. Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel in der offiziellen Ernährungsempfehlung einer der einflussreichsten Nationen der Welt.

Warum explodiert das Internet gerade?

Weil jede Seite der Pyramide in diesem Jahrzehnt eine emotionale Angelegenheit ist. Menschen identifizieren sich mit ihrer Ernährung. Sie stehen dafür in den sozialen Medien und auf der Straße auf. Entsprechend fühlt sich eine Seite verraten und die andere endlich Recht zu behalten. Das ist der Grund, wieso der Aufruhr so groß ist.

Die Carnivore- und Rohgang-Bewegung sagt: "Seht ihr? Wir haben es schon immer gesagt! Der Mensch ist ein Fleischfresser. Evolutionsbiologie schlägt vegane Ideologie!"

Die vegane Community sagt genau das Gegenteil: "Hier geht es nur um Profit für die Fleischindustrie. Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann das glauben."

Und wir? Wir schauen uns das an und denken: Beide haben einen Punkt. Und beide liegen gleichzeitig falsch.

Warum das Thema so emotional ist

Die Ernährung heute ist deshalb so emotional, weil die Krankheitsraten von ernst zu nehmenden Krankheiten stiegen. Viele verlieren ihre wichtigen Menschen durch Krankheiten. Und die Schuld sehen viele in der Ernährung, wie sie heute nicht mehr natürlich ist. Alles ist hochgradig verarbeitet. Selbst das Gemüse, das du heute selbst anbaust, ist nicht mehr so unbelastet wie das Gemüse vor Hunderten von Jahren. Genau das macht das Thema so emotional und führt dazu, dass Menschen sich mit Ernährungsweisen identifizieren.

Genau das ist auch der Grund, warum selbst eine ausgewogene Ernährung heute nicht mehr alle Nährstoffe abdeckt. Die Nahrung ist nicht mehr so lebendig wie früher. Viele Menschen sind übergewichtet, aber doch unterernährt. Unterernährt, mit echten Vitalstoffen.

Die unbequeme Wahrheit: Am Ende des Tages bleibt es eine Ansichtssache, denn: beide Positionen sind wissenschaftlich vertretbar

Das ist der Teil, den niemand hören will. Aber es ist leider die Realität.

Ja, tierische Proteine haben Vorteile:

Die Bioverfügbarkeit ist ein echtes Thema. Wenn du Eisen aus Rindfleisch isst, nimmt dein Körper es deutlich effizienter auf als aus Spinat. Häm-Eisen vs. Nicht-Häm-Eisen – das ist kein Marketing-Gag, das ist Biochemie.

Vitamin B12? Kommt praktisch ausschließlich in tierischen Produkten vor. Omega-3  als EPA und DHA? In Algen und Fisch, nicht in Leinsamen (das ist ALA, muss erst umgewandelt werden – und das klappt beim Menschen nur begrenzt).

Die Carnivore- und Rohgang-Bewegung, die in den letzten Jahren massiv an Fahrt aufgenommen hat, argumentiert mit genau diesen Punkten. Und sie folgt dem Gedanken des Ursprungs / der Evolution: Unser Stoffwechsel ist über Jahrtausende auf protein- und fettreiche Kost ausgelegt.

Aber: Ja, pflanzliche Ernährung hat auch starke Beweislasten:

Man schaue sich die Blue Zones an – Regionen auf der Welt, wo Menschen überdurchschnittlich alt und gesund werden. Sardinien, Okinawa, Loma Linda. Was vereint sie? Überwiegend ernähren sie sich vegan.

Die EPIC-Oxford-Studie, die Adventist Health Study – große, lange Beobachtungsstudien zeigen jedoch konsistent: Menschen, die sich überwiegend pflanzlich / vegan ernähren, haben niedrigere Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und bestimmten Krebsarten.

Ballaststoffe? Gibt's nur in Pflanzen, nicht in Fleisch. Und die sind essenziell für deine Darmgesundheit, dein Mikrobiom, deinen Stoffwechsel.

Das ist verwirrend, frustrierend – und genau der Punkt

Beide Argumentationslinien basieren auf validen wissenschaftlichen Daten. Beide Seiten können Studien zitieren, Experten auffahren, Mechanismen erklären.

Das große Problem mit den Studien und den Evidenzen

Bei der ganzen Debatte und heiklen Angelegenheit gibt es zwei Probleme:

  1. Das erste Problem ist erstmal die Evidenzlage. Eine Studie beweist an erster Stelle nicht nur eine einzige Wahrheit. Es gibt so viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Wer wurde untersucht. Von wem wurde die Studie finanziert. Wie ernähren sich diese Personen ansonsten. Welches Stresslevel haben diese Personen ansonsten.

    Es ist fast unmöglich anhand einer Studie die Auswirkungen von einem einzigen Fakt zu beweisen. Natürlich gibt es gewisse Grundlagen, aber man kann aufgrund von Studien nicht pauschal sagen, die Ernährung ist gut, die andere ist schlecht. Warum? Genau das führt uns zu Problem 2.
  2. Weil Ernährung hochgradig individuell ist – und Pyramiden oder Ernährungsweisen komplexe und individuelle Dinge vereinfachen vereinfachen müssen / wollen. Du kannst nicht pauschal mit einer Pyramide jeden Menschen gleich ernähren, um so die beste Gesundheit zu erzielen.

Es gibt jedoch einen Gewinner, den alle übersehen

Während alle über vegan vs. omnivor streiten, übersehen sie den vielleicht wichtigsten Punkt:

Die neue Pyramide führt automatisch zu weniger verarbeiteten Lebensmitteln.

Egal, ob du jetzt die Empfehlungen der Rohgang oder die der Veganer umsetzt – wenn du dich an der Basis der Pyramide orientierst, landest du automatisch bei vollwertigen, minimal verarbeiteten Lebensmitteln.

Weg von Fertigprodukten. Weg von Transfetten und Zusatzstoffen. Weg von raffiniertem Zucker und leeren Kalorien.

Dieser Fokus auf "Real Food", auf echtes Essen ohne große Zutatenliste – egal ob pflanzlich oder tierisch – könnte am Ende der wichtigste Gesundheitseffekt der ganzen Überarbeitung sein.

Denn in einem Punkt sind sich wirklich alle wissenschaftlichen Lager einig: Ultra-verarbeitete Lebensmittel sind das Problem. Die sind der gemeinsame Feind.

Das Buch „Deine Nahrung, dein Schicksal" von Dr. Otto Bruker geht in die ähnliche Richtung. Es ist zwar etwas „überholt", aber enthält eine wichtige Wahrheit: Bis heute sind wir nicht in der Lage, jeden einzelnen Nährstoff zu benennen. Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme – alles sehr wichtig. Aber beispielsweise ein Ei besteht eben aus mehr als das. Aus weiteren Vitalstoffen, die wir nicht benennen können und die wir nicht alle gezielt supplementieren können. Sonst könnte man ja sagen „Durch Nahrungsergänzung brauchen wir keine Nahrung mehr". Das ist aber nicht die Realität. Und genau deswegen ist der Hidden Champion die unverarbeitete Ernährung – erstmal unabhängig ob vegan oder nicht.

Warum Pyramiden grundsätzlich „okay" sind, aber nicht deine Ernährung bestimmen sollten

Hier wird's jetzt unbequem. Denn auch die neue US-Pyramide macht denselben Fehler wie alle ihre Vorgänger:

Sie tut so, als gäbe es eine universelle Lösung für alle Menschen.

Aber die gibt es nicht. Und das ist keine Meinung – das ist Faktenlage.

Deine Genetik und deine Historie spielt eine massive Rolle:

Manche Menschen haben einen APOE-Genotyp, der bedeutet: Gesättigte Fette aus tierischen Produkten lassen ihr LDL-Cholesterin durch die Decke gehen. Andere? Null Reaktion.

Die FADS-Gene bestimmen, wie gut du pflanzliches Omega-3 (ALA) in die aktiven Formen EPA und DHA umwandeln kannst. Manche Menschen schaffen das gut. Andere – die Mehrheit – eben nicht.

Laktase-Persistenz? Die Fähigkeit, Milchzucker als Erwachsener zu verdauen? Global gesehen haben das nur etwa 35% aller Menschen. In Europa deutlich mehr, in Asien deutlich weniger.

Du siehst, wie viele Individualitäten es gibt.

Deine Lebensphase macht einen Unterschied:

Eine schwangere Frau hat einen völlig anderen Proteinbedarf als ein Rentner. Ein Marathonläufer andere Anforderungen als jemand, der im Büro arbeitet. Ein 20-Jähriger verstoffwechselt anders als ein 70-Jähriger.

Deine gesundheitliche Situation:

Nierenerkrankung? Dann ist hoher Proteinkonsum problematisch, egal aus welcher Quelle.

Diabetes? Dann profitierst du möglicherweise von stabileren Blutzuckerwerten durch mehr Protein und Fett.

Autoimmunerkrankung? Dann kann es sein, dass du auf bestimmte Lebensmittelgruppen reagierst – individuell unterschiedlich.

All das ignoriert jede Pyramide. Weil eine Pyramide per Definition vereinfachen muss.

Was bedeutet das jetzt für dich?

Wenn du bis hierher gelesen hast, fragst du dich vermutlich: "Okay, schön und gut. Aber was soll ich jetzt konkret tun?"

Unsere ehrliche Antwort: Hör auf, auf Pyramiden zu warten. Fang an, auf deinen Körper zu hören und schaffe deine eigene, individuelle Datenlage.

Das heißt konkret:

1. Mach Bluttests

Nicht raten, messen. Lass dich entsprechend beraten, um zu wissen, auf welche Werte du dein Blut testen solltest. Beispielsweise könnte es wichtig sein, deine Biomarker zu checken. B12, Vitamin D, Omega-3-Index, Eisen, Zink, Magnesium, etc. Schau, wo du stehst. Dann weißt du, ob deine aktuelle Ernährung funktioniert – egal welcher Philosophie sie folgt. Dann weißt du auch, wo du eventuell gezielt durch Supplements ergänzen kannst.

2. Beobachte, wie du dich fühlst

Das Wichtigste: Hör auf deinen Körper! Niemand kennt ihn so gut wie du. Energie über den Tag? Schlafqualität? Verdauung? Konzentration? Dein Körper gibt dir ständig Feedback. Nutze es.

3. Experimentiere – aber systematisch

Probier aus, was für dich funktioniert. Aber nicht chaotisch. Ändere eine Variable, beobachte 4-6 Wochen, bewerte. Dann die nächste.

4. Fokussiere dich auf Verarbeitungsgrad

Egal ob du mehr pflanzlich oder mehr tierisch isst: Vollwertige, minimal verarbeitete Lebensmittel sind die Basis. Das ist der eine Punkt, wo sich alle einig sind.

Was wird in Deutschland passieren?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sich noch nicht zur US-Überarbeitung geäußert. Aber eine Überarbeitung der deutschen Empfehlungen steht seit Längerem auf der Agenda.

Werden wir dem US-Beispiel folgen? Schwer zu sagen. Die europäische Ernährungswissenschaft war historisch etwas konservativer, etwas vorsichtiger mit radikalen Änderungen.

Aber der Diskurs wird kommen. Die Fragen werden gestellt werden. Und gut so.

Unser Fazit: Von Dogmen zu Differenzierung

Wir bei Supplenatura arbeiten täglich mit Menschen, die ihre Ernährung optimieren wollen. Manche vegan, manche omnivor, manche irgendwo dazwischen.

Was wir dabei gelernt haben: Die Suche nach der einen richtigen Ernährung für alle gibt es nicht.

Die neue US-Pyramide mag wissenschaftlich fundierter sein als ihre Vorgängerin. Vielleicht. Aber sie macht unbewusst denselben Grundfehler: Sie tut so, als gäbe es eine universelle Antwort auf eine hochgradig individuelle Frage. Es fehlt der Zusatz, dass Ernährung individuell ist.

Die spannende Frage ist nicht: "Vegan oder omnivor?"

Die spannende Frage ist: "Was braucht dein Körper, in deiner aktuellen Lebenssituation, mit deiner Genetik, für deine Ziele?"

Und diese Frage kann dir keine Pyramide beantworten. Die musst du selbst klären. Wir hoffen, dass wir dir mit diesem Beitrag einen Einblick in unsere Sichtweise geben und viele Fragen beantworten, die dir aufgrund dieser vielen paradoxen Informationen im Kopf rumschwirren. Bei Fragen und Feedback freuen wir uns jederzeit!

Vorheriger Artikel